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Verletzungen von Gefäßen und Nerven beim Fesseln

 

Mit freundlicher Genehmigung zur Kopie von Kenyade und Vinciens, Wien.

 

Gefäße:

Gefäße ziehen sich als röhrenartiges System durch unseren ganzen Körper und versorgen ihn mit frischem Blut. Wir unterscheiden zwischen Venen und Arterien. Arterien führen das Blut vom Herzen weg und Venen transportieren das alte, sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Durch Fesseln kann es leicht passieren, dass Gefäße – vor allem Venen – etwas abgedrückt werden. Das äußert sich typischer Weise z.B. als eingeschlafene oder kribbelnde Hand. Bei venös gestautem Blut werden die Extremitäten blau und etwas taub. Nach der Fesselsession kann es jenseits der Fesselung durch das Austreten von roten Blutkörperchen aus den Kapillaren zarte, oberflächliche blaue Flecken geben. Beides passiert relativ häufig, ist jedoch ungefährlich. Beim Verschluss einer Arterie (was beim Fesseln praktisch nie passiert) werden die Extremitäten weiß und es tut extrem weh. So möchte man keine Sekunde mehr gefesselt bleiben!


Generell gilt: Eingeschlafene Hände sollten nie ignoriert werden, sie sind aber kein Grund, sofort in Panik zu geraten. Man müsste stundenlang dieselbe Arterie abklemmen, bevor ein irreparabler Schaden entstehen kann. Meiner Erfahrung nach gewöhnt sich der Körper auch ans Fesseln. Die Zeit, die man in den Seilen verbringen kann, wird dadurch immer länger.
Etwas mehr Vorsicht ist bei Personen mit Krampfadern geboten, da ein Blutstau dazu führen kann, dass die Venen weiter überdehnt und ausgeleiert werden und eine, tiefe Beinvenenthrombosen entstehen kann. Eingeschlafene Beine oder Füße sollten in diesem Fall NICHT ignoriert werden. Man kann das Problem leicht durch Lösung der Fesselung und Änderung der Position beseitigen – ohne die Session abbrechen zu müssen. Und gleich vorweg: Leute die sich gerne und oft fesseln lassen haben kein erhöhtes Risiko für Krampfadern. Bondage lässt keine Krampfadern oder Orangenhaut entstehen!


Bei Fesselungen in denen die Hände oder Arme über oder über und hinter dem Kopf fixiert (Bunnybondage) werden, sollte man vor allem auf den Kreislauf achten, da das Herz hier mehr Arbeit leisten muss, um das Blut nach oben zu pumpen. Die Hände können hier leicht einschlafen. Anzeichen für ein Kreislaufproblem (die Person wird möglicherweise gleich ohnmächtig) sind: Kaltschweißigkeit und Gesichtsblässe (wichtig, leicht zu unterscheiden vom Schwitzen bei körperlicher Anstrengung durch Fesseln, da rötet sich das Gesicht), veränderte Atmung (kann auch durch Trance entstehen) und kalte Hände (kann normal sein).
Zu beachten ist, dass eine Person, die gefesselt ist und ohnmächtig wird (oft geht das sehr schnell), sich nicht mehr selbst abfangen kann. Deswegen sollte man das Modell gut gegen das Hinfallen sichern. Falls doch ein Kollaps oder Schwächeanfall passiert, die Person am besten vorsichtig auf den Boden legen, die Füße hoch lagern und etwas zu trinken bringen(am besten Wasser)! Oft hilft auch ein Stück Traubenzucker.
Sollte ein Person ohnmächtig geworden sein: nicht in Panik geraden, stabile Seitenlage (wenn möglich Beine etwas erhöht) und warten, bis sie wieder zu sich kommt. Sollte die Person noch gefesselt sein, kann man mit dem Entfesseln ruhig warten, bis sie wieder bei sich ist.

 

 

Nerven:
Im Gegensatz zu den Gefäßen ist bei Nerven und deren Verletzungen größte Vorsicht geboten. Wenn man merkt, dass hier etwas nicht stimmt, sollte man schnellstmöglich handeln!

Es gibt zwei Gefahren auf die man achten sollte:
1) Die Verletzung der Bandscheibe / Wirbelsäule durch falsche Bewegungen oder Lagerungen (Hängebondage).
2) Die direkte Verletzung eines Nerven aufgrund einer falschen Lage des Seils (Das Seil selbst kann den Nerven beleidigen, oder es kann ein Hämatom (= Bluterguss) verursachen, das auf den Nerv drückt).

Im Gegensatz zu den Gefäßen spürt oder fühlt das Opfer nicht immer, dass gerade einen Nerv gequetscht wird. Eine Nervenquetschung kann manchmal einen plötzlichen, elektrisierenden Schmerz verursachen – es fühlt sich in etwa so an, als wenn man sich den Ellbogen stößt – tut das aber meistens nicht. Deswegen empfiehlt es sich, auch in der tiefsten Trance gewisse Tests durchzuführen. Ich werde später noch darauf zurückkommen.


Die häufigste Verletzung beim Bondage ist die Lähmung der Hände (oder einzelner Finger).
Je nachdem welcher Nerv, wo getroffen wurde, unterscheiden wir:
-) Fallhand – Nervus radialis
-) Krallenhand – Nervus ulnaris
-) Schwurhand – Nervus medianus
wobei die bei weitem häufigste die Fallhand ist.

Das Abheilen einer solchen Verletzung kann von ein paar Stunden bis hin zu Monaten dauern, da sich Nerven nur langsam regenerieren. Lassen die Symptome nicht schnell wieder merklich nach, sollte man einen Arzt aufsuchen und sich ggf. eine Überweisung zu einem Physiotherapeuten geben lassen. Meistens wird der Arzt auch eine erhöhte Vitamin B Aufnahme empfehlen (oder verschreiben), da Vitamin B gut für die Nerven ist. Rheumasalbe auftragen ist nicht angesagt, da sie dem Nerv nicht hilft (auch wenn sie ein angenehmes Gefühl erzeugen kann), jedoch ein bereits auf den Nerven drückendes Hämatom vergrößern kann.

 

Falls sich ein Hämatom gebildet hat, sollte man die Stelle kühlen (Achtung: bitte nicht direkt mit einem sehr kalten Gegenstand – Kühlakku – auf die nackte Haut, sondern diesen in ein Handtuch einpacken), um eine Abschwellung des Hämatoms zu fördern und – wie schon gesagt – keine durchblutungsfördende (Rheuma)Salbe auftragen!


Ist der Nerv direkt betroffen, kann man nichts tun außer abzuwarten und die Muskeln (durch Physiotherapie) weiter zu trainieren.


Vor einer Verletzung des Nervs gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Es ist sinnvoll und wichtig, sich anzusehen (z.B. Wikipedia) wo die einzelnen Nerven verlaufen, allerdings gibt es bei jedem Menschen individuelle Abweichungen von dieser Durchschnittsdarstellung. Auch sollte man im Kopf behalten, dass sich die Nerven, die oft in der Haut verlaufen, mit einer Drehung der Unterarme im Verhältnis zum Knochen verschieben, also nicht immer dort liegen, wo sie im Anatomieatlas eingezeichnet sind und sich diese Lage auch während einer Fesselsession durch eine einfache Unterarmdrehung verändern kann.

 

Prinzipiell kann man sagen, dass die Stellen, an welchen die Seile über Muskel laufen, wenig gefährdet sind, daher keine engen Fesseln um muskelarme Stellen wie Hand-, Fuß-, Ellbogen- und Kniegelenke. Muskulöse Menschen sind generell auch einem weniger großen Risiko ausgesetzt als andere. (Vorsicht, Fett kann den Nerv im Gegensatz zu Muskeln nicht schützen). Die Annahme, Menschen mit einem hohen Körperfettanteil hätten ein geringeres Risiko für eine Nervenverletzung, ist schlichtweg falsch!


Wichtig ist, sich mit dem gefesselten Partner die Lage der Oberkörperfesselung zu erarbeiten (also miteinander intensiv kommunizieren und gemeinsam ausprobieren), eine für jeden Menschen gültige Lösung gibt es hier nicht.


Während man in einer Fesselung ist, sollte man immer wieder überprüfen, ob man die Hände zu einer Faust ballen kann und vor allem der Daumen dabei Kraft hat. Mindestens genauso wichtig ist, ob man diese Faust auch wieder öffnen und die Finger ausstrecken, das Handgelenk heben und leicht kreisen lassen kann. Sollte die Hand kraftlos sein oder das Heben des Handgelenks nicht mehr funktionieren, muss man die Session sofort abbrechen. Am besten die Handschelle öffnen und die Lage der Seile so schnell wie möglich verändern.

 

Sollte ein Schaden passiert sein, bitte dem Arzt unbedingt die Wahrheit sagen, wie er passiert ist. Nur dann kann er richtig diagnostizieren und handeln. Ärzte unterliegen der Schweigepflicht!

 

Vielen lieben Dank an Isith für den Vortrag an dem Abend, gemeinsam mit einem Kollegen, und herzlichen Dank auch fürs korrigieren der Zusammenfassung! <3

Kenyade

 

 

Zusatz von unserer Seite:

Bei starker Erschöpfung und/oder Müdigkeit kann es schneller zu Verletzungen von Nerven kommen, da die starken Reize von ermüdeten Nerven- und Muskelfasern nicht rechtzeitig weitergeleitet werden. Das heisst es ist möglich, dass man eine Fallhand (oder andere Nervenschäden) nicht rechtzeitig bemerkt, weil das Kribbeln in den Händen verzögert registriert wird. Dann ist der Schaden aber bereits passiert und lässt sich nicht wieder rückgängig machen. Deshalb raten wir in solchen Fällen von jeglicher Fesselung ab.