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Workshop mit Zor Neurobashing, Januar 2017 im Shibari Club Düsseldorf

 

 

Zor Neurobashing, schon allein dieser Name ist exotisch und macht neugierig. Jedenfalls ging es mir so, als ich las, dass dieser Mann vom Shibari-Dojo Madrid einen Workshop geben sollte. Mir sagte der Name erstmal gar nichts, hatte ihn auch noch nie gehört. Aber durch einen Hinweis von Simply She, die zusammen mit SchmerzRhythmus diesen WS organisiert hatte, sah ich mir ein Video an und war fasziniert. Dieser Mann hatte einen Stil, den ich so bislang noch nie gesehen hatte.

Da Munewari und ich immer wieder auf der Suche nach Inspirationen sind, schaufelten wir uns das Wochenende frei, um teilnehmen zu können. Der Advanced-Kurs war bereits ausgebucht, aber da es dort (auch) um Suspensions ging, fühlten wir uns im Intermediate-Kurs besser aufgehoben. Ich hatte nämlich beschlossen, dieses Mal die aktive Seite zu besetzen.


Nach der Vorstellungsrunde übernahm SchmerzRhythmus die Einführung mit einer Erklärung des Begriffes "Ma" bzw. "Ma-ai" = Nähe und Distanz. Er führte Beispiele an, die die Weite dieses Begriffes erläuterten.

Weiter ging es mit Zor, der im übrigen sehr gut englisch spricht. Allerdings auch ziemlich schnell und mit einem harten Akzent. Im ersten Moment dachte ich: "Ach du Schande, du verstehst kein Wort." Aber nach 5 Minuten hatte ich mich eingehört und konnte ihn gut verstehen.

Er erläuterte seinen Stil und seine Art der Kreativität beim Fesseln, die vor allem in unsymmetrischen Mustern besteht. Um uns ebenfalls zu eigenen Kreationen anzuregen, ging es los mit Ichinawa, also Fesseln mit nur einem Seil. Wir sollten alte Muster verlassen und ohne großartig nachzudenken, einfach mal loslegen. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Muster der Teilnehmer aussahen. Gleichzeitig konnte man das Prinzip des "Ma" ein wenig ausprobieren und damit spielen.


Das nächste Thema bestand darin, einen TK2 zu fesseln und neue Möglichkeiten für das 3. Seil zu finden. Nun kann man das 3. Seil mit und ohne Funktion anbauen. Die für mich interessantere Variante war die "ohne echte Funktion". Die Übung sollte vor allem dazu dienen, alte Wege zu verlassen. Der Effekt auf der passiven Seite ist, dass jede Fesselung unvorhersehbar wird. "Wenn der Rigger nicht weiss, was er fesseln wird, kann das Bunny es auch nicht wissen."
Es gibt also doch eine Funktion (daher das o.g. in Anführungszeichen).


Wir bekamen noch ein paar Tipps und Tricks gezeigt (z.B. wie man schnell Finger einfesselt) und wurden in die Pause entlassen.

Anschließend sollten wir eine komplette "chaotische" Oberkörperfessel anlegen. Zor zeigte ein Grundgerüst, das mit 2 Doppelseilen gleichzeitig gebunden wurde. Ist schwer zu beschreiben. Wir werden demnächst mal Fotos machen zur Veranschaulichung. Bereits das Grundgerüst war ungewöhnlich, machte sich aber auf dem Körper von Munewari sehr gut. Der eigenen Kreativität konnte man dann im Weiterbau freien Lauf lassen. Manchmal frage ich mich, warum ich selbst nie auf so simple Ideen komme. Irgendwie stecke ich da häufig in meinem Kopf fest und habe offenbar Scheuklappen auf.


Die letzte Übung wurde von SchmerzRhythmus eingeleitet. Simply She bekam eine Augenbinde und wurde mit Teilen des eben erlernten und unter Berücksichtung von "Ma" gefesselt. Die hohe emotionale Komponente war sehr gut sichtbar.
Danach durften wir loslegen. Das hat mir besonderen Spaß gemacht und den anderen offensichtlich auch. Die Bunnies waren wunderbar entrückt und so bekamen die Instruktoren auf ihre Frage nach den Gefühlen/Meinungen der Passiven auch eher keine Antwort - es war schlichtweg zu früh. Aber wie so oft, ist so ein Workshop immer viel zu schnell vorbei. Ich jedenfalls hätte noch gut ein Weilchen weiter machen können.


Die meisten Fesselungen sind eher nicht suspensiontauglich. Zor macht es nach dem "Try and error-Prinzip". Das Problem bei dieser Art des kreativen Shibari ist, dass es oft nicht reproduzierbar ist, weil es keinen Plan gibt. Dafür dürfte es für beide Seiten immer wieder zu Überraschungen kommen.



Der Workshop war gut vorbereitet und strukturiert, der Ablauf reibungslos, der Informationsfluss vorbildlich. Ein großes Lob an Simply She, SchmerzRhythmus, Zor und Alicia. Es war sehr inspirierend, dieses "Chaotic Bondage".

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